Roger Shah ist einer der talentiertesten Produzenten der gesamten elektronischen Musikszene. Er produzierte Clubhits wie „Who Will Find Me“ oder „Lost“ (unter seinem berühmten Sunlounger-Alias) und mit dem „Balearic“ Sound repräsentiert er einen ganz besonderen Trancestil, den er selbst vor einigen Jahren erfand. Er produzierte und performte bereits gemeinsam mit Armin van Buuren, dem weltweiten Nummer-Eins-DJ, und sein Magic Island-Label fand in Armada Records einen starken Partner. Es ist definitiv kein Wunder, dass Roger beim diesjährigen DJ Mag Top 100-Voting einen tollen 21. Platz errang. Wir haben mit dem vielbeschäftigten Mann vor seinem lange erwarteten Gig bei 25 Years of Technoclub gesprochen.

Interview: Miles Schmidt-Scheuber / René Schwarz.

Roger Shah

Technoclub: Roger, in den letzten beiden Jahren hat sich bei dir sowohl als Produzent als auch als DJ eine Menge getan. Neben dem fantastischen 21. Platz beim DJ Mag Top 100-Voting, was waren deine größten Erfolge in dieser Zeit?
Roger: Ja, du hast absolut recht. In den letzten beiden Jahren ist eine Menge passiert, aber nur positive Dinge. Ich denke der größte Erfolg war auf jeden Fall der 21. Platz beim DJ Mag Top 100-Voting, aber auch die Zusammenarbeit im Studio mit dem Nummer-Eins-DJ, Armin van Buuren, und der Start meines eigenen Magic Island-Labels, das ich in Zusammenarbeit mit Armada betreibe, waren tolle Sachen. Und natürlich war es klasse, 2008 in den jährlichen ASOT Top 20 gleich drei Tracks von mir vorzufinden, darunter den offiziellen „Tune of the Year“, „Lost“. Es ist also wirklich sehr viel passiert.

Technoclub: Herzlichen Glückwünsch zum Sprung von Platz 58 auf Platz 21 beim DJ Mag Top 100-Voting. Beginnt sich deine jahrelange harte Arbeit nun endlich auszuzahlen?
Roger: Ja, es sieht so aus, als wenn sich die harte Arbeit nun auszahlt. Ich habe immer versucht, meinen eigenen Weg zu gehen, was Sound und Musikphilosophie angeht. Eine wichtige Sache war es, ein solides Team um mich herum aufzubauen, das stetig an den Marken Roger Shah sowie Magic Island arbeitet.

Technoclub: Du bist schon seit den 1990er Jahren aktiv und hast eine Menge produziert. Was denkst du, warum es so lange gedauert hat, bis du als Produzent richtig anerkannt wurdest. Eine wie große Rolle spielt doch auch das Glück in der Trancewelt?
Roger: Ja, das stimmt, ich habe 15 Jahre meines Lebens dazu gebraucht, um es auf dieses Level zu schaffen. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass ich immer alles alleine gemacht habe, ohne Verbindungen zu anderen Produzenten oder Leuten, die mir helfen wollten. Als ich als Vollzeitproduzent begann, produzierte ich auch eine Menge unterschiedliche Sachen um Geld zu verdienen. Ich musste in der Lage sein, von dem Geld, das mir die Musik einbrachte, zu leben. Also machte ich auch viele kommerzielle Sachen, auf die ich nicht wirklich stolz bin. Aber mir blieb damals keine andere Wahl. Es ist alles die Frage einer Entwicklung, ob es nun um die Szene als Gesamtes geht oder um dich selbst. Irgendwann schaffte ich es, ein eigenes Subgenre von Trancemusik zu kreieren, was letztendlich wohl das Geheimnis hinter meinem derzeitigen Erfolg war. Glück ist natürlich auch sehr wichtig. Meine ganze Karriere änderte sich, als ich Armin im Amnesia traf und ihm eine CD mit einer neuen Produktion gab. Einige Wochen später erhielt ich einen Anruf und wurde eingeladen, ins Armada-Office zu kommen. Dort unterschrieb ich einen Vertrag mit einer langen Laufzeit mit dem besten Plattenlabel überhaupt. Wenn ich also Armin damals nicht die CD gegeben hätte, wäre vielleicht heute alles noch ganz anders. Man weiß nie, was als nächstes passiert in diesem verrückten Business.

Technoclub: Welche Art von Verhältnis hast du zu Talla 2XLC? Er war damals schon dick im Geschäft, als du gestartet hast, und ein bekannter Name in der Szene…
Roger: Er war der große Mann des Trance. Ich blickte zu ihm und Taucher hinauf und dachte mir, wie toll es wäre, eines Tages etwas Ähnliches zu erreichen wie diese Jungs. Leider hatten wir nie wirklich ein Verhältnis, da er seine Sachen gemacht hat und ich versuchte, meine zu machen, aber ich war immer offen dafür, dies zu ändern. Nun bin ich sehr glücklich, endlich mit ihm zusammen aufzulegen, und dann auch noch beim großen Technoclub-Geburtstag.

Technoclub: Wann hast du erstmals den Namen Talla 2XLC gehört? Was hat er für dich als Produzent und DJ bedeutet, als du dich noch in deiner Entwicklung befandest?
Roger: Ich spielte von 1996 bis 1999 im Zenit, einem tollen Tranceclub in meiner Heimatstadt Stuttgart. Diese Zeit wurde ja sehr von Talla beeinflusst wie auch von all den ganzen Releases auf seinen verschiedenen Labels.

Technoclub: Trance begann in den 1990ern, hatte seinen großen Boom in den späten 1990ern, danach folgten einige Jahre „Trance“ Trash, was 2004-2005 wieder ausstarb. Seitdem ist Trance in Deutschland fast tot, auch wenn es noch Leute wie Paul van Dyk, die Euphonic-Crew, Talla 2XLC und dich gibt, die die Trance-Szene am Leben erhalten. Was für eine Bedeutung hat Talla 2XLC wirklich für die deutsche und weltweite Tranceszene gehabt?
Roger: Er ist eine echte Legende, ein Pionier und auf der ganzen Welt respektiert. Die Tatsache, dass er so lange schon dabei ist und immer noch die Flagge für Trance hoch hält, hat meinen höchsten Respekt verdient. Was ich lustig finde, ist, als Trance 2005 in Deutschland starb, war es mehr oder weniger die Geburtsstunde des balearischen Trancesounds und der Beginn von etwas Großem. Ich möchte auch noch erwähnen, dass Pedro del Mar einer der Jungs ist, die die Flagge des Trance auch immer oben hält, und seine Mellomania Radioshow ist eine der beliebtesten Shows weltweit. Für mich ist er einer der unterbewertetesten DJs momentan, und er gehört eigentlich auch in die Top 100.

Technoclub: Was können wir von deinem DJ-Set im Technoclub erwarten? Wird es ein typisches „balearic“ DJ-Set sein, oder planst du eine spezielle, nie gehörte Art von DJ-Set extra für Talla 2XLC?
Roger: Ihr könnt euch auf eine typische Roger Shah Live-Performance freuen. Ich habe vor zwei Jahren mein komplettes Setup gewechselt in Richtung einer Kombination von Live- und DJ-Elementen. Ich denke, ich spiele so selten in Deutschland und ich weiß, dass einige Leute kommen werden, um mich zu sehen. Also werde ich eine Mischung aus einem Best Of und neuen Songs meines aktuellen Magic Island-Albums spielen. Ich denke, jeder wird darauf warten, dass ich den „Tune of 2008“, „Lost“, spiele, und natürlich meinen aktuell großen Track, „Healesville Sanctuary“, meine Kollaboration mit Signum.

Technoclub: Ich denke einmal, dass du “Going Wrong” spielen wirst, oder die Leute werden rebellieren… Was macht diesen Track so einzigartig, und warst du die treibende Kraft hinter diesem Track?
Roger: (lacht) Ja, ich war die treibende Kraft hinter diesem Track. Er war der Hauptsong meines letztes Jahr veröffentlichten „Songbook“-Albums. Armin hörte ihn und liebte ihn so sehr, dass er einige Remixe davon machte, und am Ende releasten wir es als offizielle Kollaboration und performten es auch live zusammen bei den Armin Only-Konzerten, was ein tolles Erlebnis für mich war. Ja, ich denke, ich werde den Track spielen müssen (lacht).

Technoclub: Was ist dein Eindruck von John O’Callaghan? Er hat eine ähnliche Entwicklung hinter sich wie du und stieg schnell auf Platz 24 in den DJ Mag-Charts. Ist er jemand, der den Thron von Paul van Dyk eines Tages erklimmen könnte? Hast du sein brillantes neues Album gehört?
Roger: John ist ein guter Freund von mir, und ich freue mich sehr für ihn, dass es bei ihm auch so schnell aufwärts ging. Sein Album ist genial und sein Song „Find Yourself“ ist für mich der Vocal Tune des Jahres. Von mir aus könnte er gerne eines Tages den Thron von Paul van Dyk erben, ohne Frage, aber ich möchte eigentlich auch nicht den einen mit dem anderen Künstler vergleichen. Wir Künstler sind alle einzigartig, und selbst wenn einige ähnliche Musik machen, sind doch viele Sachen verschieden. Rein musikalisch gesehen könnte er es ohne Frage schaffen, Paul van Dyks Level zu erreichen innerhalb der nächsten zwei Jahre, aber es geht in dieser Szene auch nicht nur um die Musik alleine. Paul ist auch ein so großer Pionier mit einer Superstar-Attitüde, und er hat so viel für die Trancemusik gemacht, dass er immer noch unser Flaggschiff in Deutschland ist und dies auf noch für eine lange Zeit bleiben wird.

Technoclub: Vor einiger Zeit hast du deinen Künstlernamen von DJ Shah in Roger Shah geändert, was auch dein richtiger Name ist. Was waren die die Gründe dafür?
Roger: Der einzige Grund, warum ich dies getan habe, war die Tatsache, dass ich meine Performance vom Auflegen mit Vinyls und CDs hin zu zwei Laptops und 2 Keyboards verlagert habe. Daher fühle ich mich nun mehr als richtiger Künstler oder Musiker und nicht mehr wie ein typischer DJ. Es fühlte sich für mich irgendwann seltsam an, als „DJ Shah“ angekündigt zu werden, und dann kam ich raus und spielte mit meinen Keyboards, mehr wie eine Ein-Mann-Band.

Technoclub: Schon seit Jahren produzierst du so viele Tracks, dass man dich glatt mit Oliver Lieb verwechseln könnte, der ebenfalls als Produzent bekannt war, der unzählige Projektnamen hatte und quasi am Fließband produzierte. Ist es schwierig, so viel Musik zu produzieren und dennoch als Produzent kredibel zu bleiben?
Roger: Für mich war es sehr einfach, denn ich bin ein Workaholic und immer am Songs und Melodien schreiben, selbst im Flugzeug. Ich muss sagen, dass ich zwischen 2005 und 2006 eine harte Zeit hatte mit finanziellen Problemen, und ich darüber nachdachte, alles aufzugeben. Aber ich sagte mir, ich werde es noch einmal versuchen und so viel wie möglich produzieren und auf diversen internationalen Labels veröffentlichen und schauen, ob meine Situation sich bessert, oder ob ich einfach aufhöre. Zum Glück hatte ich dann mit „White Sand“ 2006 den großen Hit unter dem Sunlounger-Alias sowie ein Nummer-Eins-Album bei I-Tunes. Alles entwickelte sich seitdem in eine bessere Richtung. Während dieser Zeit konnte ich gut erkennen, wer meine richtigen Freunde waren und wer nicht. Es ist sehr gut, auch mal solche Zeiten zu durchleben, denn sie machen einen stärker.

Technoclub: Was ist denn bisher dein Rekord an nonstop im Studio verbrachten Stunden? Tillmann Uhrmacher hat ja einmal mehr als 80 Stunden aufgelegt…
Roger: Oh mein Gott, Tillmann, du bist verrückt (lacht)? Es ist schwierig zu sagen, ich habe zu Hause einen sehr strukturierten Tagesablauf, aber wenn ich im Studio bin, arbeite ich 14 Stunden am Tag, insbesondere, wenn ich an den letzten Feinheiten für ein Album arbeite, wie ich es gerade momentan tue.

Technoclub: 2006 wurde Shah endgültig ein bekannter Name, da die Trancewelt Tracks wie „White Sand“ und „Who Will Find Me“ pushte. Warum, denkst du, waren diese beiden Tracks nötig, um dich bekannter zu machen? Es dauerte zwar eine Weile, aber nun bist du sicherlich sehr glücklich über die Liebe der Trancecommunity?
Roger: Armin machte diese Songs zu großen Hits, da er sie in jedem seiner Sets rauf und runter spielte, und er spielt sie manchmal immernoch. Ich muss ihm sehr dankbar sein für all den Support, den ich von ihm bekommen habe. Wir haben immer noch eine ganz besondere Verbindung, auch wenn ich nun meinen eigenen Weg gehen muss. Ich freue mich sehr über die Liebe der Trancecommunity, und meine Fanbase wächst schnell Tag für Tag. Aber ich weiß auch, dass es in Deutschland immer noch viele Leute gibt, die mich für meine Musik hassen und schlechte Dinge über mich in den Communities schreiben. Aber das ist vielleicht eine deutsche Eigenart, da ich auch Deutscher bin und daher dem mehr Aufmerksamkeit schenken sollte. Aber es gibt auch in Deutschland eine neue Generation, von der ich weiß, dass sie mich lieben, vielleicht weil sie nicht wissen, dass ich Deutscher bin (lacht). Als ich neben Armin bei der ASOT 400 in Wuppertal spielte, kamen alle zu mir und versuchten auf Englisch mit mir zu reden, haha, das war sehr lustig.

Technoclub: Du bist der Nummer-Eins-Supporter des „balearic“ Sounds. Was macht diesen Sound für dich so einzigartig, und was ist der große Unterschied zum gewöhnlichen Trancesound, den wir alle lieben?
Roger: Das ist für mich schwierig zu sagen, denn wenn ich an einem neuen Song arbeite, bringe ich einfach alle meine Emotionen mit hinein, und dann nenne ich es “balearic”. Aber ich denke, dieser Sound ist so einzigartig, weil er melodischer ist als die meisten Progressive Trance-Sachen, aber softer als der Uplifting Trance-Sound. Meiner Ansicht nach hören sich viele Trancescheiben auch gleich an, und es würde mir sehr schwer fallen, den Künstler zu benennen, da der Sound einfach so ähnlich ist. Dies ist ein Grund dafür, weshalb ich versuchte, mein eigenes Subgenre zu schaffen. Balearic Trance ist auch stark von Sommer und Sonne beeinflusst, einfach ein „Feel Good“-Musikgenre.

Technoclub: Armada begann vor einigen Jahren damit, deine Tracks zu releasen, und offensichtlich taten sie dies aus gutem Grund. Was war das schönste Kompliment, dass Labelboss Armin van Buuren dir für deine Musik gemacht hat?
Roger: Er sagte mir, dass mein Sound großartig ist und ich einfach mit dem, was ich mache, so weitermachen soll, und dass er mein größter Fan ist. Er ist so ein netter Kerl und total auf dem Boden geblieben.

Technoclub: Der neue Roger Shah-Track wird “Found” heißen und wieder die Vocals von Zara featuren. Was können wir soundmäßig von diesem Track erwarten?
Roger: Das wird die neue und lange erwartete Sunlounger-Single werden, also kein Roger Shah-Track (lächelt). Nach dem großen Erfolg mit dem ASOT „Tune of the Year“, „Lost“, arbeiteten wir hart, um eine neue Single zu schaffen, die der erfolgreichen „Lost“ folgen sollte. Am Ende war es sehr einfach und wir schufen „Found“, wir setzen die Story also in Form der Lyrics fort, aber auch, was den Sound angeht. Es geht in die Richtung von „Lost“, aber meiner Meinung nach noch emotionaler und berührender, und die Melodie wird noch etwas mehr uplifting.

Technoclub: 2010 wirst du auch ein neues Sunlounger-Album releasen. Was können wir von diesem Album erwarten? Wird es ein paar Überraschungen geben, was den Sound angeht?Roger: 2010 werde ich mit drei neuen Alben am Start sein, an denen ich schon seit langer Zeit arbeite. Es wird ein Magic Island-Mixalbum im Sommer geben, ein Roger Shah-Album im Herbst sowie das Sunlounger-Album ungefähr im März. Die Leute lieben Sunlounger und die Alben verkaufen sich so gut, weil sie einen ganz besonderen Sound und ein besonderes Konzept darstellen, diese Mischung von Chillout und Club Mixen auf zwei CDs. Daher werde ich nichts daran verändern, und es wird wieder eine nette Mixtur von instrumentalen und Vocal Tracks geben, und es werden auf jeden Fall wieder sehr viele Gitarren zu hören sein, um dieses balearische Sommerfeeling einzufangen. Die größere Überraschung wird der Sound des Roger Shah-Albums sein, das Ende 2010 erscheinen soll. Aber um darüber zu sprechen, ist es noch zu früh, vielleicht machen wir das dann nächstes Jahr.

Technoclub: Was sind denn deine aktuellen Top 5 Tracks?
Roger: Roger Shah & Signum – Healesville Sactuary (Magic Island), Kim Svärd – You and I (Magic Island), Soundlift – Lenda (Magic Island), Nuera – Ocean Love (Magic Island), Ingsha – Montego Bay.

Technoclub: Danke für das Interview, Roger! Wir freuen uns schon auf dein Set im Technoclub.
Roger: Danke für das Interview, wir sehen uns in Frankfurt.

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