Mr. Sam ist einer der heißesten Producer elektronischer Dance Music in Frankreich. Bei Tiestos Label „Black Hole“ unter Vertrag, hat er etliche hochqualitative Tracks wie den Megahit „Lyteo“ produziert.

Seine Mixcompilation „Opus Tertio“ war ebenfalls ein großer Erfolg, und sein Artistalbum „Pop Model“ wird es in Kürze zu kaufen geben. Mr. Sam ist bekannt für seinen Crossover-Sound, der voller Power steckt. Damit wird er auch Tallas Birthdayparty mit Sicherheit rocken!

Interview: Miles Schmidt-Scheuber / René Schwarz

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Mr. Sam

Technoclub: Im März wirst du dein Debüt im Technoclub feiern. Wie aufgeregt bist du, in diesem legendären Club zu spielen?

Mr. Sam: Ja, so sieht es aus. Technoclub-Debüt und das an Tallas Geburtstag. Was noch? Ich bin extrem motiviert, dort so richtig die Hütte abzubrennen. Nicht mehr und nicht weniger als das. Einen Tag vorher lege ich in London auf und komme dann direkt nach Frankfurt. Egal, wie viel Schlaf ich in dieser Nacht bekommen werde, ich werde einiges an Feuer mitbringen. Macht euch bereit, Jungs und Mädels!

Technoclub: Wann hast du Talla 2XLC zum ersten Mal getroffen? Was fandest du an seiner Person besonders einzigartig?

Mr. Sam: Wir haben uns erstmals letzten Sommer in Rumänien im Rahmen der House Parade getroffen. Unser Kontakt war direkt super und wir hatten die ganze Nacht Spaß. Am nächsten Tag reiste ich mit ihm zusammen über Frankfurt zurück, so dass wir an diesem Wochenende reichlich Gelegenheit zur Kommunikation hatten. Er ist ein lustiger Kumpel und ein guter DJ.

Technoclub: Kannst du dich noch erinnern, wann du zum ersten Mal eine Talla 2XLC-Produktion gehört hast?

Mr. Sam: Ich kann mich an einige Trance-Classics in den 90ern auf Sony Music erinnern. Die guten alten Zeiten eben!

Technoclub: Wie wichtig ist Talla 2XLC für die globale Danceszene gewesen?

Mr. Sam: Nun, er ist einer der Pioniere in Deutschland, gemeinsam mit Paul van Dyk und Jam & Spoon. Was den Rest angeht, weiß ich nicht, ob ich die richtige Person bin um das zu beurteilen. Ich denke, die Anzahl der Fans, die er hat, sagt alles. Und dass er heutzutage immer noch mit dabei ist!

Technoclub: Als du in den 90er Jahren aufgewachsen bist, was waren deine Inspirationsquellen aus der deutschen Danceszene? Welche Künstler haben dich inspiriert?

Mr. Sam: Natürlich wurde ich, wie so viele DJs zu dieser Zeit, von der deutschen Tranceszene geprägt. So viele gute DJs und Acts wurden dort geboren. Wie ich bereits sagte, sind da Namen wie Paul van Dyk, Jam & Spoon oder Talla zu nennen. In Belgien waren wir damals so nahe dran, dass wir automatisch infiziert wurden, wobei ich sagen muss, dass wir im Endeffekt in Belgien sogar vorher mit dem Trance gestartet sind. Aber egal, die Szene zur damaligen Zeit war riesig und das ganze war wie eine Revolution. Man kann es nicht mit der heutigen Zeit mit Radio, TV, Internet etc. vergleichen. Damals war es underground, und man fühlte sich zu einer ganz speziellen Gruppe von Menschen zugehörig, wenn man diese Musik hörte und die Undergroundpartys besuchte. Es klingt heute für einige sicher lustig oder überraschend, aber damals war Trance die Undergroundmusik. Private und illegale Trancepartys fanden überall statt, und es war ein besonderes Privileg, dort dabei sein zu dürfen.
Alle heutzutage großen DJs haben mit Trance angefangen, auch wenn sie es heute abstreiten. Trance ist gewissermaßen im Bereich der Musik vergleichbar mit dem, was Weed im Bereich der Drogen ist. So ziemlich jeder hat es schon einmal probiert. Von Sven Väth bis Paul van Dyk und ganz vielen anderen. Also warum sollte man sich dafür schämen? Wenn du bei Youtube guckst, kannst du sogar ein Video von Sven Väth finden, wo er in einem Studio Psytrance auflegt, und es scheint so, als würde er es lieben wie sonst nichts auf der Welt.
„Trance“ ist für mich kein schlechtes Wort. Viele große DJs trauen sich gar nicht, es zu benutzen, was ich nicht richtig finde. Sobald du einen Track mit Bassline, Pads, einem Main Riff, Percussions und einem tollen Break spielst, ist das Trance! Nichts anderes. Einige wollen dem einen anderen Namen geben, aber ich verstehe nicht, warum. Vielleicht kann es mir irgendwer einmal erklären.
Meine liebste Danceband aller Zeiten ist ohne Zweifel Jam & Spoon. Die waren genial. R.I.P. Marc Spoon. Hört euch einfach mal heute, 2010, ihr Album “Tripomatic Fairytales” an, das in den frühen 90ern auf R&S Records releast wurde, und ihr werdet verstehen, was ich meine.

Technoclub: Wie würdest du ein dreistündiges DJ-Set von dir beschreiben?

Mr. Sam: Wie eine Weltreise, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Tausende Schritte, überall ein Lächeln und die Hände in der Luft. Einfach eine gute Zeit haben, natürlich ein paar Drinks und am Ende des Abends mit einem netten Mädchen nach Hause gehen. Was noch? Vielleicht noch ein Foto mit Autogramm am Ende, aber nur für die Mädels, haha! Der Rest ist alles blabla, damit möchte ich mich nicht befassen. Kommt einfach mit guter Laune, habt Spaß, schaut euch die vielen glücklichen Menschen um euch herum an und feiert gemeinsam mit ihnen. Lasst euch einfach gehen. Und kommt beim nächsten Mal wieder!

Technoclub: Welche Art von DJ-Set können wir von dir erwarten? Wird es im Stil deiner „Opus“-Compilations sein?

Mr. Sam: Überhaupt nicht, der “Opus”-Musikstil ist nur für meine “Opus”-Mixalben reserviert. Das ist nicht der Sound, den ich in Clubs spiele. Dazu hört euch meine Clubsingles wie “Dominator”, “Lyteo”, “Cygnes”, “Anasthasia”, “Rydem Koba”, “Tantra” etc. an.
Ich liebe es, überall die Floors richtig zu rocken. Ich mag Musik, die Power und Schönheit miteinander vereint. Ich könnte niemals einen Track spielen, der nicht in meine Beine geht oder Gänsehaut bei mir verursacht. Ich vergesse nie, dass ich in erster Linie dazu da bin, um die Leute zum Tanzen zu bringen.

Technoclub: Wie hat sich dein Sound seit “Lyteo”, das 2006 erschien, entwickelt? Man kann dich eigentlich nicht als Trance-Künstler bezeichnen…

Mr. Sam: Nun ja, mein Sound hat sich schon ziemlich verändert, das ist richtig. Er ist erwachsener geworden. Ich mache nicht mehr soviel Trance, auch wenn ich es immer noch mag. Aber ich finde es in letzter Zeit immer weniger interessant. Der letzte Track in diese Richtung war „Cygnes“, was bei Beatport wochenlang auf Nummer 1 war und für viele DJs ein Classic wurde. Die Leute fragen mich immer noch danach, wenn ich beim Auflegen bin.
Es ist richtig, dass ich mehr und mehr Techno-Tracks produziere, wie beispielsweise “Dominator”, “Anasthasia”, “Rydem Koba”, “Menkayo” oder “Tantra”. Das sind meine Wurzeln, und ich liebe es, energetische Tracks zu produzieren. Ich beobachte auch, dass es immer weniger Big Room-Tracks auf dem Markt gibt. „Rydem Koba“ wurde von so vielen DJs, wie beispielsweise Markus Schulz, rauf und runter gespielt. Sie lieben diesen Sound. Es ist kein Trance, es ist kein Techno. Es funktioniert einfach unglaublich gut in den Clubs. Eine gute Formel, die auch in meinen DJ-Sets funktioniert.

Technoclub: Du hast seinerzeit mit Robert Miles zusammen aufgelegt. Wie hat „Children“ deinen Sound beeinflusst?

Mr. Sam: Wie Millionen von Menschen liebe ich diesen Track. 1995 war ich der erste, der ihn außerhalb von Italien buchte. Es war toll, eine Nacht mit ihm zu teilen, gerade zur damaligen Zeit!
Der Track inspirierte eine Generation von DJs und Produzenten, ganz klar, aber ich kann mich nicht erinnern, selbst jemals einen Trance-Track mit Piano produziert zu haben. Ich mag es zwar, aber es ist eher nicht so mein Style.

Technoclub: Die Leute sind meistens begeistert, wenn sie hören, dass du aus Frankreich bist. Warum ist es so schwer für die Leute, darauf zu kommen, dass du Franzose bist? Klingt die Sound ganz einfach nicht französisch? Ich denke mir mal, du würdest deinen Sound wohl als global bezeichnen…

Mr. Sam: Na ich denke ja nicht, dass die Leute das so toll finden, um ehrlich zu sein. Ich denke die meisten Leute wissen, dass ich Franzose bin, auch wenn daran eigentlich nichts Besonderes ist. Musik kennt weder Hautfarbe noch Nationalität. Die französische Crowd mag generell hauptsächlich House und Electro. Ich bin der erste Trance-DJ und Produzent in Frankreich, und ich mache das ja nun auch schon eine ganze Weile. Inzwischen gibt es eine Menge neuer Tranceproduzenten in Frankreich, die mich kontaktieren und nach Tipps fragen. Ich helfe natürlich gerne, wo ich es kann.
Jetzt lebe ich ja im Ausland, und ich versuche sowohl aus dem Französischen wie auch aus dem Internationalen die jeweils besten Dinge herauszupicken. Ich fühle mich wie ein Weltenbürger. Natürlich bin ich stolz auf mein Land, aber das war es dann auch schon.

Technoclub: Wie war das Feedback bisher, was dein aktuelles Release, die “Opus Tertio”-Compilation, angeht?

Mr. Sam: Super, wie immer. Die Leute lieben dieses Compilationalbum genauso, wie ich es tue. Ich verstehe das Ganze nicht als standardmäßiges Mixalbum und es ist weniger Mainstream als viele es vielleicht erwarten. Ich glaube aber fest daran und „Opus“ ist für mich und meine Karriere sehr wichtig, auch für meine Entwicklung als Künstler. Dies ist mein Baby sozusagen, und hier kann ich mich so richtig ausleben. Ich finde man sollte weg kommen von dem Gedanken, dass die Leute nur Mainstream-Projekte mit einem Mädchen mit dicken Brüsten auf dem Cover kaufen. Ich arbeite jedes Mal ein ganzes Jahr lang an einer „Opus“-Compilation, um unveröffentlichte Tracks von unbekannten Künstlern zu finden, die oftmals talentierter sind als die großen Namen. Aktuell arbeite ich an „Opus 4“, mehr Infos dazu gibt es in Kürze!

Technoclub: Wieviel Spaß hat es dir gemacht, “Tantra” zu produzieren? Das Arrangement ist toll und dazu noch ein atemberaubendes Vocal. Wie schwierig war es, diesen Track zu produzieren?

Mr. Sam: “Tantra” ist ein Techno Monster. Das einzige Vocal, das sich darin befindet, besteht darin, das jemand Jokes macht. Also ich würde es nicht gerade als atemberaubend bezeichnet. Egal. Ich liebe Techno Monster und „Tantra“ hat bisher in allen Clubs, in denen ich gespielt habe, einen super Job gemacht.

Technoclub: Du hast einen speziellen Remix für den Rave Classic “Anastasia” von 1999 produziert. Wie kam es dazu und wie würdest du das Original bewerten?

Mr. Sam: Ich habe diesen Remix gemacht, da ich das Original total liebe und außerdem den Kerl kenne, der die Nummer produziert hat. Von daher hat das ganz einfach Sinn gemacht. Es hat mir großen Spaß bereitet, einen Klassiker zu remixen, den ich gekauft und gespielt habe, als ich noch ein Teenager war. Ich habe eine modernere Version geschaffen, die noch mehr rockt. Eine Art Update Mix. Er hat sehr gut funktioniert und wurde insbesondere in der Hard Dance Szene gerne gespielt. Von dort bekam ich auch einige Bookinganfragen, aber ich habe natürlich abgelehnt.

Technoclub: 2010 wirst du ein neues Album veröffentlichen? Wann wird es veröffentlicht werden, und kannst du eventuell ein paar Geheimnisse verraten?

Mr. Sam: Ja, mein neues Solo-Artistalbum “Pop Model” wird wohl im April 2010 veröffentlicht werden. Ich habe eine Menge daran gearbeitet, um etwas zu präsentieren, das sich nicht nach „Lyteo“ anhört, aber gleichzeitig dennoch den „Mr. Sam“-Style beibehält. Das Album wird 20 bis 21 Tracks enthalten. Der typische „Mr. Sam“-Sound wurde bei den Clubtracks wie „Cygnes“ oder „Dominator“ beibehalten, aber ich habe auch einige Singles für das Radio gemacht. Ich habe schon immer House geliebt und habe schon vor Jahren damit angefangen diesen Stil aufzulegen. Daher habe ich ein paar Housetracks mit tollen Vokalisten wie Amanda Wilson von The Freemasons produziert. Dieses Album ist wie ein Spielplatz für mich, auf dem ich mich so richtig austoben wollte, ganz ohne jeden Druck. Ich wollte einfach Spaß haben und unterschiedlichste Musikstile produzieren, ohne mir darüber Gedanken zu machen, was die Leute wohl davon halten. Frei wie ein Vogel! Ihr werdet also sowohl den typischen Clubsound als auch Songs, die mehr in die Crossover-Richtung gehen, vorfinden. Darauf bin ich sehr stolz. Die Arbeit mit echten Songwritern und Popsängern hat mir viel Spaß gemacht. Einige Tracks werden euch ziemlich überraschen, das verspreche ich!
Sogar eine Ballade mit Kirsty Hawkshaw findet sich auf dem Album, wie auch einige Ambient Tracks. „Pop Model“ ist ein echter Melting Pot verschiedenster Musik, ohne jegliche Grenzen. Das einzige Ziel dabei war es, kraftvolle Musik für die Clubs, nette für das Radio und schöne für das Hören zu Hause zu produzieren. Ich liebe alle Arten von Musik, also warum sollte ich mich auf einen Style beschränken?
Ich bin mir sicher, die Leute werden das Album so mögen, wie es ist. Es ist doch viel spannender, solch ein Album zu kaufen als eines mit 20 Tracks im selben Style, oder? Ich habe für alle Tracks spezielle Edits produziert, was das Klangerlebnis steigert, denn wer möchte auf einer CD im Auto schon Clubtracks mit 2minütigem Beat hören. Das ist doch eher langweilig. Für alle, die die Extended Mixe haben wollen, werden diese als Singles mit entsprechenden Remixen veröffentlicht werden.
Ihr könnt euch auf Kollaborationen mit BT, Solarstone, Andy Duguid, Amanda Wilson, Disco International und viele mehr gefasst machen, inklusive der Classics “Cygnes”, “Dominator”, “Anasthasia” sowie “Rydem Koba”, “Tantra”, “Menkayo” etc… Ich habe sehr hart daran gearbeitet, ein Qualitätsalbum abzuliefern, also hoffe ich, dass jeder beim Anhören genauso viel Spaß hat wie ich beim Produzieren!

Technoclub: Wie würde sich 2010 eine Talla 2XLC/Mr. Sam-Produktion anhören? Was würdest du zu deren Sound beitragen?

Mr. Sam: Das weiß nur Gott alleine, da habe ich keine Vorstellung. Ich denke das ist auch nichts, das man im Voraus planen kann, oder? So etwas muss immer aus dem Flow heraus entstehen und mit dem Feeling an dem jeweiligen Tag. Also schauen wir mal!

Technoclub: Welches wäre deine letzte Platte in deinem allerletzten DJ-Set?

Mr. Sam: Das ist eine sehr gute Frage. Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Es ist aus einem Grund schon schwer zu beantworten: Es kommt alles darauf an, wann diese Party stattfinden wird. Sollte das in 10 Jahren sein, dann werde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas anderes spielen als heute. Weißt du was… ich lade dich einfach zu meinem letzten Gig ein, wenn ich 79 Jahre alt bin, und dann suchen wir gemeinsam etwas aus. Hoffen wir mal, dass wir dann überhaupt noch in der Lage sind, etwas zu hören!

Technoclub: Danke für das Interview, Sam. Wir freuen uns, dich im Technoclub zu sehen!

Mr. Sam: Es war mir ein Vergnügen. Wir sehen uns dort, und lasst uns gemeinsam Spaß haben!

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